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Swarovski Kristallwelten
Mihaela Ursuleasa - eine Nomadin der Musik

25.03.2009
Die junge rumänische Klaviervirtuosin Mihaela Ursuleasa gastiert im Rahmen von „Musik im Riesen“ an zwei Abenden in den Swarovski Kristallwelten: als Liedbegleiterin des Baritons Roderick Williams (20. Mai) und als Solistin mit Werken von Zykan, Messiaen, Béla Bartók und Sergej Rachmaninow (21. Mai). Im Interview erzählt sie von ihrer musikalischen Entwicklung und ihrer heutigen Herangehensweise an Musik. 


Welche Rolle spielte und spielt Musik in Ihrem Leben? Wie sind Sie zum Klavierspielen gekommen?
Mihaela Ursuleasa:  Ich komme aus einer Musikerfamilie, mein Vater war Jazzpianist, meine Mutter Sängerin. Ich saß schon früh unter dem Flügel meines Vaters, wann genau ich meine Hände darauf gesetzt habe – unter der fürsorglichen Betreuung meiner Eltern – weiß ich nicht ganz genau. Das mag auch ein Zeichen dafür sein, dass ich nie dazu gezwungen wurde. Langsam aber sicher begann mein Leben ohne Klavier undenkbar zu sein. Ich verbrachte auch tatsächlich meine Kindheit stundenlang jeden Tag am Klavier. Die dunklere Seite dieser Kindheit würde ich im Stil meiner damaligen Lehrerin sehen, die Kinder wie kleine Soldaten abrichtete und somit in ihrem Elan, aus diesen Kindern Stars zu machen, übertrieben hat. Aber ich hatte das Glück, auch dem rechtzeitig zu entkommen, und mein Leben nahm in Wien eine andere Entwicklung. Das Klavier hat mir aber immer sehr viel bedeutet, nicht nur als „Arbeitsinstrument“, sondern auch als Trost und Ausdrucksmittel – gerade, wenn man bedenkt, dass man mit diesem Instrument noch so viel mehr entdecken kann, als man vermutet. Meiner Meinung nach sind seine wahren Mittel noch nicht ausgeschöpft. 

Wo liegen Ihre musikalischen Wurzeln und inwieweit beziehen Sie diesen musikalischen Hintergrund in Ihre heutige Arbeit mit ein?
Mihaela Ursuleasa:  Auf meine Wurzeln bin ich sehr stolz. Ich sehe mich als eine Art Nomadin – mein Vater war ein waschechter Römer, meine Mutter aus Moldawien, und in meinen Ohren klang die ganze Kindheit hindurch ein Salat aus Folklore, Jazz und Klassik. Ich pflegte damals Pianisten wie Dinu Lipatti oder Clara Haskjil zu hören und Radu Lupu kam manchmal zu Besuch und gab mir die eine oder andere Unterrichtsstunde – wobei sich das eher als ein Spiel, ein nützliches allerdings, herausstellte. Mit derselben Begeisterung hörte ich den Musikanten bei den Hochzeiten zu, Festen, zu denen meine Eltern mich mitnahmen. In Wien erlebte ich dann Leute wie Gulda, Argerich, Abbado (ich durfte damals die Proben besuchen und entdeckte die Musik von Mahler und Bruckner ganz neu). Ich ging aber auch ins Theater und ins Kino und vor allem besuchte ich eine Bar, die es leider nicht mehr gibt, die Broadway Bar, in der sich ALLE Musiker und Künstler trafen – zu hören gab es dort alles, von Klassik über Cabaret und Volksmusik bis zu Jazz. In diesen Jahren habe ich viele Pflanzen gesammelt, die man in diesem Musikwald finden kann. Man muss nur hören können. Heute mache ich meine Programme so, dass sie all diese Farben und Erfahrungen zeigen können. 

Mihaela Ursuleasa

Mihaela Ursuleasa - eine Art Nomadin der Musik
(Foto: Julia Wesely)
 


Was sind die wichtigsten Aspekte für Sie, wenn Sie Ihre Herangehensweise an Musik beschreiben sollen: Texttreue, kultureller Hintergrund, Entwicklung des Instruments, technische Perfektion, Energie, Leidenschaft, ein unverwechselbarer Ausdruck, …?
Mihaela Ursuleasa:  Wie gesagt, manchmal kommt es aus der Lebenserfahrung heraus. Ein Impuls, eine Inspiration, aber vor allem ein Sich-selbst-zuhören-Können. Man liest ein Musikstück, und man hört es schon. Ich versuche, es zuerst mit der Seele zu verstehen, dann mit dem Kopf. Man kann nicht zählen und Oktaven üben, bevor man nicht verstanden hat, was man damit ausdrücken will. Gute Komponisten haben die Gabe, so zu notieren, dass es auch ein mittelmäßiger Musiker halbwegs versteht. Aber was in der Seele ist, das kann man nicht notieren. Entweder spürt man es, oder eben nicht. So an Musik heranzugehen, macht Spaß und ist immer wieder eine Herausforderung. 

Das Klavier nimmt als Soloinstrument, als Begleitinstrument für Liedgesang, in der Kammermusik mit anderen Instrumenten und als Soloinstrument mit Orchesterbegleitung eine gleichermaßen wichtige Rolle ein. Was unterscheidet für Sie diese Arten zu musizieren voneinander? Schätzen Sie eine davon besonders?
Mihaela Ursuleasa:  Ich bevorzuge keine besondere Art des Musizierens. Vielmehr kommt es immer auf die Menschen an, mit denen man spielt. Was kann ich von ihnen lernen, wie kann ich ihnen etwas von meiner Art zu spielen geben, so, dass wir am Ende ein Einziges sind, eine Einheit, die die Sprache des Komponisten dem Publikum vermittelt, egal ob wir einer oder zu fünft oder ein ganzes Orchester sind. Rezitals, muss ich allerdings sagen, sind – zumindest bevor man auf die Bühne tritt – eine ziemlich einsame Erfahrung. 

Wie sehen Sie die Rolle des Konzerts in unserer heutigen Gesellschaft, in unserer heutigen musikalischen Umwelt? Kann ein Konzert dazu beitragen, das Hören, die akustische Wahrnehmung zu sensibilisieren, oder ist es nur ein weiterer Mosaikstein im Lärm unserer Zeit?
Mihaela Ursuleasa:  Wir werden ja dauernd von „Musik“ berieselt, angefangen von der Ansage am Flughafen (immer muss es vorher drei, vier kleine Dur-Klänge geben …) bis zum endlos sich wiederholenden Motiv aus ein paar Tönen im Lift … Daher denke ich, dass das Zuhören an sich wieder erlernt werden muss. Wenn man Konzerte so präsentieren kann, dass das Publikum auch lernt, aufmerksam zuzuhören, habe ich keine Bedenken, dass diese Form von Musik ausstirbt. Keine Aufnahme, so gut sie auch ist, wird je das Live-Erlebnis wiedergeben können. 

Gibt es für Sie ideale Aufführungsorte?
Mihaela Ursuleasa:  Den idealen Ort oder den idealen Saal gibt es nicht – das zu erwarten oder zu träumen wäre auch nicht gut, denn wir sind ja dafür geschaffen, die Welt zu bereisen und unsere Konzerte zu geben. 

Welche Qualitäten muss ein Flügel haben, auf dem Sie gerne konzertieren? Kann man auch auf einem nicht perfekten Instrument gut musizieren?
Mihaela Ursuleasa:  Im Großen und Ganzen schon, denn die Musik kommt ja aus einem selbst, und nicht aus dem Instrument. Das Instrument müsste aber idealerweise das mitmachen, was man ihm gibt. Umgekehrt wird kein Klavier, auch nicht das beste, jemals anders klingen, als man darauf spielt. 

Auf welche Weise stellen Sie Ihre Programme zusammen und worauf kommt es bei der „Dramaturgie“ eines Konzertabends an?
Mihaela Ursuleasa:  Ein gutes Programm zu erstellen braucht viel Zeit und Überlegung. Ich könnte sehr leicht eine Reihenfolge zusammenstellen, die schon andere davor gemacht haben und von der man deshalb weiß, dass die Stücke zusammenpassen. Aber das würde mich nicht repräsentieren. Ich bin eine Musikerin der Kontraste, finde Interesse für alte wie für neue Musik gleichermaßen – es geht immer um den Klang. Wie klingt das zusammen? Welche Reaktion ruft es hervor beim Zuhören? Langeweile? Freude? Ärger? Überraschung? Es muss so gestaltet sein, dass es dem Zuhörer in Erinnerung bleibt, sodass derjenige nicht mit leeren Händen (Ohren und Seelen in dem Fall) nach Hause geht. 

Kurzinformationen zum Konzert am 20. Mai
RODERICK WILLIAMS, Bariton
MIHAELA URSULEASA, Klavier
spielen:
Robert Schumann
Dichterliebe op. 48 (1840)

DENNIS RUSSELL DAVIES, Klavier
MAKI NAMEKAWA, Klavier
spielen:
Aaron Copland
El Salón México für Orchester, Bearbeitung für zwei Klaviere von Leonard Bernstein (1933/36)
Leonard Bernstein
Symphonische Tänze aus „West Side Story“ (1957), Bearbeitung für zwei Klaviere von John Musto Philip Glass
Four Movements for Two Pianos (2008, Österreichische Erstaufführung)

Kurzinformationen zum Konzert am 21. Mai
MIHAELA URSULEASA, Klavier
spielt:
Otto M. Zykan
Klavierkadenz (2003)
Olivier Messiaen
Préludes für Klavier (1928/29)
Béla Bartók
Zwei rumänische Tänze für Klavier op. 8a Sz 43 (1909/10)
Sergej Rachmaninow
Études-Tableaux op. 39 für Klavier (1916/17)

Informationen zu Musik im Riesen 2009
Termin
19. bis 24. Mai 2009 in den Swarovski Kristallwelten in Wattens.
Das gesamte Programm von „Musik im Riesen 2009“ findet man unter www.swarovski.com/kristallwelten.

Kartenpreise
Karte für einen Konzertabend: € 25,-; ermäßigt € 22,-
Kombikarte für alle Konzerte: € 110,-; ermäßigt € 90,-
Ermäßigung für Studenten mit Ausweis, Ö1 Clubmitglieder

Kartenreservierung und Information
Swarovski Kristallwelten • 6112 Wattens/Tirol • Austria
Tel. +43 (0)5224 51080 • swarovski.kristallwelten@swarovski.com
www.swarovski.com/kristallwelten • oe1.orf.at/kulturkalender
Tel. Abendkassa ab 18 Uhr: +43 5224 500-3450

Kunst - Kulinarium - Konzert
Aperitif 
Exklusive Führung durch die Wunderkammern
Dreigängiges Menü in einmaligem Ambiente (exkl. Getränke) 
Konzertbesuch
Preis:€ 85,-; ermäßigt:€ 75,-
Buchbar nur mit Vorreservierung, ausgenommen ist der 19. Mai 2009


(Presseinfo)
Swarovski Kristallwelten
6112 Wattens/Tyrol - Austria
Tel. +43(0)5224 500 3836
Kristallwelten Wattens


Weitere Infos:
Wattens
Wandern zwischen Wattens und Volders

 
 
 

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